25.02.2026
Wien/Graz, 25. Februar 2026. - Zum Welttag des Hörens 2026 rückt die WHO heuer die Hörgesundheit von Kindern in den Fokus: 90 Millionen Kinder und Jugendliche weltweit sind von einer Hörminderung betroffen – Tendenz steigend. Wie wichtig eine frühzeitige Versorgung für die Entwicklung eines Kindes ist, erklärt Kinderakustik-Expertin Heidi Neuroth und blickt auf zwei Jahrzehnte pädakustische Pionierarbeit in Österreich zurück.
Unter dem Motto „From communities to classrooms: hearing care for every child" widmet die Weltgesundheitsorganisation den diesjährigen Welttag des Hörens, der jedes Jahr am 3. März begangen wird, dem Thema „Hörverlust bei Kindern“. Weltweit sind laut aktuellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) rund 90 Millionen Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 19 Jahren von einer Hörminderung betroffen. In den letzten drei Jahrzehnten nahm die Anzahl an Kindern und Jugendlichen, die an Hörverlust leiden, laut der Studie „Global Burden of Disease“ kontinuierlich zu. In Österreich kommen pro Jahr bis zu 3 von 1.000 Kindern mit einer Hörminderung zur Welt. Die WHO setzt daher zwei klare Schwerpunkte: die Prävention vermeidbarer Hörminderungen im Kindesalter und die frühzeitige Erkennung und Versorgung betroffener Kinder – etwas, wofür sich auch die Hörakustik-Expert*innen von Neuroth in Österreich stark machen. Mit einem eigenen Kinderakustik-Fachinstitut in Wien und speziell ausgebildeten Pädakustiker*innen setzt sich Neuroth seit mittlerweile 20 Jahren für die Hörgesundheit der Jüngsten ein.
Wie früh wir bereits hören können
Schon im vierten Schwangerschaftsmonat reagiert ein ungeborenes Kind auf Geräusche. Das Gehör gehört damit zu den ersten Sinnen, die sich vollständig entwickeln – als wichtiger Verbindungskanal zur Außenwelt. Rund 90 Prozent aller Umweltreize gelangen über das Gehör ins Gehirn. „Gerade in den ersten Lebensjahren legt diese akustische Wahrnehmung den Grundstein für Sprache, Denken und soziale Entwicklung“, sagt Heidi Neuroth, ausgebildete Pädakustikerin und Leiterin der Neuroth-Kinderakustik in Wien.
Österreich ist hier gut aufgestellt: Seit 2003 ist das Neugeborenen-Hörscreening im Mutter-Kind-Pass verankert – eine wichtige Errungenschaft. „Wird eine Hörminderung früh erkannt und versorgt, kann sich ein Kind bestmöglich entwickeln und ungehindert entfalten. Im Idealfall erkennt man eine Hörminderung, bevor ein Kind sprechen lernt, dann sind die Möglichkeiten am größten", sagt Heidi Neuroth.
Frühzeitige Versorgung fördert die Entwicklung
Eine Hörminderung ist von außen oft schwer wahrnehmbar und wird im Alltag deshalb manchmal nicht sofort erkannt. Denn Kinder sind dabei oft erstaunlich anpassungsfähig. Eine frühzeitige Abklärung in Form eines spielerischen Hörtests schafft Klarheit: für das Kind, die Eltern und alle Betreuungspersonen. Dabei gilt es zu wissen: Bei Kindern unterscheidet man zwei Hauptformen: Schallleitungsstörungen, etwa durch Mittelohrentzündungen, sind häufig medizinisch gut behandelbar. Bei Schallempfindungsstörungen, bei denen Innenohr oder Hörnerv betroffen sind, eröffnet eine professionelle Hörgeräteversorgung den Weg zu gutem Hören.
Bis zu 95 Prozent der Kinder mit Hörminderung wachsen in hörenden Familien auf, für die der Umgang mit Hörgeräten neu ist. Pädakustiker*innen begleiten diese Familien als langfristige Ansprechpartner – von der Erstdiagnose bis ins Jugendalter. „Eine Hördiagnose betrifft nie nur das Kind. Sie betrifft die ganze Familie. Unsere Rolle ist es, sie durch diesen Prozess zu begleiten und ihnen das Handwerkszeug zu geben, das sie brauchen", erklärt Heidi Neuroth.
20 Jahre Pionierarbeit und täglich neue (Erfolgs-)Momente
Seit mittlerweile 20 Jahren betreibt Neuroth in Wien ein eigenes Kinderakustik-Fachinstitut und ist damit Vorreiter der spezialisierten Kinderhörversorgung in Österreich. Alleine in den vergangenen fünf Jahren wurden in der Neuroth-Kinderakustik in Wien über 2.500 Kinder betreut und über 7.000 Stunden gemeinsam mit Kindern und ihren Familien gearbeitet. Das Durchschnittsalter der betreuten Kinder lag bei rund 6,5 Jahren. Was viele nicht wissen: Gerade bei Kleinkindern sind Kontrolltermine alle drei bis vier Monate notwendig, denn Kinderohren wachsen und mit ihnen verändern sich auch die Hörbedürfnisse. Bis zum Schulalter wird die Versorgung halbjährlich angepasst, danach mindestens einmal jährlich. Genau dafür braucht es speziell ausgebildete Fachkräfte und eine Umgebung, in der sich Kinder wohlfühlen.
Neuroth ist mit speziell ausgebildeten Pädakustiker*innen in allen Bundesländern vertreten und setzt dabei auf Hörgeräte, die Kinder gerne tragen: bunt und individuell. „Wenn ein Kind die Augen aufreißt, lächelt und sagt: ‚Mama, ich verstehe dich jetzt ganz genau!', dann weiß ich, warum ich diesen Beruf gewählt habe. Diese Momente passieren jeden Tag. Und sie werden nicht selbstverständlicher", sagt Heidi Neuroth.
Infobox: Wie ich eine Hörminderung bei Kindern erkenne
- Das Kind versteht sehr leise Geräusche wie Zuflüstern nicht.
- Das Kind hört nur laute oder sehr laute Geräusche.
- Das Kind reagiert nicht oder nicht mehr auf Geräusche.
- Das Kind muss das Gesicht einer sprechenden Person sehen, damit es merkt, dass man mit ihm spricht.
- Säuglinge verlernen wieder zu lallen.
Die Sprachentwicklung des Kindes zeigt Auffälligkeiten. Das Kind kann zum Beispiel rund um den zweiten Geburtstag keinen Zwei-Worte-Satz sprechen. Oder die Aussprache im Alter von etwa vier oder fünf Jahren ist auffällig. Neben anderen möglichen Ursachen kann auch schlechtes Hören ein Grund für diese Auffälligkeiten sein.