27.05.2026
Rudolf Stefan, Küchenchef des Michelin-Restaurants Pelegrini in Šibenik
Wien, 27. Mai 2026 – Lange stand Kroatien kulinarisch vor allem für mediterrane Sommerküche: frischer Fisch vom Grill, kleine Konobas und Essen mit Meerblick. Heute entwickelt sich Kroatiens Gastronomieszene zunehmend zu einem eigenständigen Reiseanlass. Internationale Restaurantführer wie Michelin, Gault&Millau oder Jeunes Restaurateurs Europe (JRE) zeichnen immer mehr Betriebe im Land aus, während Regionen wie der Kvarner mit ihrem Fokus auf Regionalität, saisonale Küche und nachhaltige Entwicklung internationale Aufmerksamkeit erhalten. Erst kürzlich wurde der Kvarner vom International Institute of Gastronomy, Culture, Arts and Tourism (IGCAT) zur „European Region of Gastronomy 2026“ ernannt.
Internationale Aufmerksamkeit für Kroatiens Restaurants
„Die kroatische Gastronomie entwickelt sich heute durch eine Generation von Chefs, die ihre Menüs auf mikro-lokaler Ebene gestalten, der Saisonalität folgen und sich auf authentische, autochthone Zutaten stützen. Auf diese Weise sprechen wir eine globale kulinarische Sprache, bleiben dabei jedoch tief in unserer eigenen Identität verwurzelt“, erklärt Rudolf Stefan, Küchenchef des Michelin-Restaurants Pelegrini in Šibenik.
Dass diese Entwicklung zunehmend internationale Aufmerksamkeit erhält, zeigt auch der Blick in aktuelle Restaurantführer. Kroatien zählt derzeit 13 Michelin-Sterne-Restaurants, darunter Agli Amici in Rovinj mit zwei Sternen sowie Häuser wie Monte in Rovinj, Pelegrini in Šibenik oder das LD Restaurant auf Korčula. Gleichzeitig finden sich zunehmend kroatische Restaurants in Guides wie Gault&Millau oder bei den Jeunes Restaurateurs Europe (JRE), die insbesondere kreative Küchen mit regionalem Fokus hervorheben.
Dabei rückt neben klassischer Spitzengastronomie zunehmend auch die Herkunft der Produkte in den Mittelpunkt. Viele Restaurants arbeiten eng mit kleinen Familienbetrieben, Fischereien oder Winzer:innen zusammen und orientieren ihre Menüs bewusst an saisonaler Verfügbarkeit und regionalen Zutaten. Kurze Lieferketten, ressourcenschonende Arbeitsweisen und die zeitgemäße Interpretation traditioneller Rezepturen prägen damit immer stärker die moderne kroatische Küche. Die Restaurants Zinfandel’s in Zagreb, Korak bei Jastrebarsko und Konoba Mate auf Korčula wurden für ihren nachhaltigen Zugang auch mit dem Grünen Michelin-Stern ausgezeichnet.
Kvarner im kulinarischen Fokus
Besondere Aufmerksamkeit erhält derzeit die Region Kvarner, die 2026 den Titel „European Region of Gastronomy“ trägt. Ausschlaggebend für die Auszeichnung waren laut International Institute of Gastronomy, Culture, Arts and Tourism (IGCAT) vor allem die Verbindung unterschiedlicher kulinarischer Traditionen sowie die Zusammenarbeit zwischen Gastronomie, Landwirtschaft und regionalen Produzent:innen.
Die Region reicht von der Adriaküste über die Inselwelt bis in die Waldgebiete des Gorski Kotar und vereint entsprechend unterschiedliche kulinarische Schwerpunkte – von Fisch und Scampi über Olivenöl bis zu Waldpilzen, Beeren und Käse. Gleichzeitig setzt der Kvarner verstärkt auf nachhaltige Entwicklung, regionale Wertschöpfung und kleinere Produzent:innen.
„Gerade deshalb sind Initiativen wie Kvarner als Europäische Gastronomieregion von außerordentlicher Bedeutung, weil sie junge Chefs und Produzenten zusätzlich motivieren und bestätigen, dass ihre Arbeit entscheidend für die Zukunft der kroatischen Gastronomie ist“, so Rudolf Stefan.
Regionale Produkte werden neu interpretiert
In ganz Kroatien setzen viele kroatische Restaurants statt auf internationale Standardküche bewusst auf regionale Identität. Im Mittelpunkt stehen Produkte, die lange vor allem Teil der traditionellen Alltagsküche waren und heute als Spezialitäten gelten, darunter Pager Käse, dalmatinischer Pršut, Kvarner Scampi, Wildkräuter, autochthone Rebsorten oder istrische Trüffel.
Viele Köch:innen arbeiten dabei eng mit kleinen Produzent:innen, Fischereibetrieben oder Familienunternehmen zusammen und orientieren ihre Menüs konsequent an Saison und Herkunft der Zutaten. Traditionelle Gerichte wie die dalmatinische Peka werden modern interpretiert, gleichzeitig gewinnen einfache, produktorientierte Küchenstile zunehmend an Bedeutung. Gerade diese Verbindung aus regionalen Produkten, zeitgemäßer Küche und nachhaltigen Konzepten prägt aktuell die Entwicklung der kroatischen Gastronomieszene.
Kulinarik wird zunehmend zum Reiseanlass
Für viele Reisende wird Gastronomie damit zunehmend zu einem eigenständigen Motiv für Reisen nach Kroatien – auch außerhalb der klassischen Sommermonate. Gerade für Gäste aus Österreich verbindet das Land kurze Anreisewege mit einer bemerkenswert vielfältigen Genusslandschaft: von den Inseln der Adria über die Weinregionen Istriens bis zu den Wäldern und traditionellen Küchen des Hinterlands. So ist eine kleine kulinarische Auszeit vom Alltag nie weit.