30.03.2026

99 % der Lehrkräfte stützen den Schulbetrieb mit ihrem Privatgeld

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Private Ausgaben für den Unterricht sind im österreichischen Schulwesen weit verbreitet und für viele Lehrpersonen Teil des Berufsalltags. Eine aktuelle Studie des öbv und der Johannes Kepler Universität (JKU) zeigt, in welcher Höhe Lehrpersonen private Mittel einsetzen und wofür sie diese aufwenden.

Wien, 30. März 2026
– Private Ausgaben von Lehrpersonen betreffen verschiedenste Bereiche des schulischen Alltags. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Österreichischen Schulbuchverlags (öbv) in Kooperation mit der Johannes Kepler Universität (JKU), an der über 2.000 Lehrende aus unterschiedlichen Schultypen teilgenommen haben. Demnach investieren Lehrkräfte im Schnitt rund 550 Euro pro Jahr aus eigener Tasche, um ihre Aufgaben als Lehrkraft wahrnehmen zu können. Hochgerechnet sind das bei etwa 128.000 Lehrkräften jährlich bis zu 70 Millionen Euro, die sich der Staat erspart. Das individuelle Ausmaß dieser Ausgaben variiert allerdings stark. Knapp 40 Prozent der Lehrkräfte geben jährlich bis zu 200 Euro für berufliche Dinge aus, weitere 35 Prozent zwischen 201 und 600 Euro. Es handelt sich dabei um Ausgaben, die im System nicht vorgesehen sind oder die nicht abgerechnet werden können, weil es sich um eine Vielzahl von Kleinstbeträgen handelt.

Vom Arbeitsheft bis zum Laptop
Am häufigsten investieren Lehrpersonen in Lernmaterialien wie Arbeitshefte und Kopiervorlagen. Insgesamt 77 Prozent der Befragten geben an, hier eigene Mittel einzusetzen. 61 Prozent finanzieren zudem digitale Endgeräte selbst. Weitere 44 Prozent investieren in Materialien zur Schularbeitsvorbereitung und zur Lernstandserhebung. Auch Schulbücher sowie berufliche Weiterbildungen (je 35 Prozent) werden teilweise privat bezahlt. In den Freitextantworten wurden außerdem häufig Büromaterial, Klassenzimmergestaltung und Gesten wie Adventskalender oder kleine Weihnachtsgeschenke genannt. Einige Lehrkräfte finanzieren sogar Material oder eine Jause für sozioökonomisch benachteiligte Schüler*innen.

Christoph Helm, Leiter der Abteilung für Bildungsforschung an der Linz School of Education (JKU), ordnet die Ergebnisse ein: „Die Daten zeigen klar, dass es sich nicht um vereinzelte Fälle handelt. Viele Lehrpersonen investieren wiederkehrend und über das gesamte Schuljahr hinweg in zentrale Bereiche ihres Unterrichts.“

Strukturelle Frage der Finanzierung
Die Ergebnisse verweisen damit auf die grundsätzliche Frage, wie das österreichische Bildungssystem finanziell ausgestattet ist. Bildung ist ein staatlicher Auftrag. Natürlich sind nicht alle der von den Lehrkräften genannten Ausgaben zwingend für den Unterricht notwendig. Wenn jedoch grundlegende Arbeitsmittel, digitale Infrastruktur oder Lehr- und Lernmaterialien privat finanziert werden müssen, verlagert sich die finanzielle Verantwortung schleichend auf die Schultern der Lehrkräfte.

Das birgt die Gefahr, dass Unterschiede zwischen Klassen und Standorten verstärkt werden. Chancengerechtigkeit darf jedoch nicht davon abhängen, ob und wie viel Lehrkräfte privat investieren können oder möchten.

„Wir dürfen nicht voraussetzen, dass Lehrkräfte grundlegende Arbeitsmittel aus eigener Tasche finanzieren“, betont Philipp Nussböck, Geschäftsführer des öbv. „Wenn private Beiträge zur stillen Voraussetzung für guten Unterricht werden, braucht es eine ehrliche Diskussion über die Ausstattung unserer Schulen. Qualität von Bildung darf nicht vom privaten Geldbörsl der Lehrperson abhängen.“

Über den öbv: 
Der öbv (Österreichischer Bundesverlag) ist einer der größten Bildungsanbieter in Österreich. 1772 von Maria Theresia als Schulbuchverlag gegründet, vereint er jahrhundertelange Tradition und Erfahrung mit Innovation und aktivem Engagement für die Zukunft der Bildung. Das Portfolio des öbv umfasst rund 2.600 Titel und mehr als 52.000 digitale Materialien – vom klassischen Schulbuch über digitales Unterrichtsmaterial bis hin zu Unterstützungsangeboten für Lehrende und Lernende. Damit ist er einer der führenden Verlage im Bereich Lehr- und Lernmittel in Österreich. Seit 2007 ist der öbv Teil der Stuttgarter Klett Gruppe. Mehr unter oebv.at

Über die School of Education der JKU:
Die Linz School of Education ist Teil der Johannes Kepler Universität Linz. Seit 2016 wird dort fakultätsübergreifend an der Pädagog*innenbildung in neuen Strukturen geforscht und gearbeitet. Die Linz School of Education setzt sich das Ziel, die fortschreitende Digitalisierung und den sinnvollen Einsatz von Technologie zu nutzen und den Mehrwert dieser Möglichkeiten zu erarbeiten. Zudem erforscht die School Einflussfaktoren im Kontext des Lehrens und Lernens, beispielsweise im Hinblick auf Bildungsgerechtigkeit, Lernerfolg und Wohlbefinden in der Schule, sowie Digitalisierung und Auswirkungen der Pandemie.

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4 104 x 2 292 © öbv
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